Vorab ein paar Dinge: Dies ist ein Beitrag zum Thema SuizidEs werden Themen wie Selbstverletzung, Drogen und Alkohol vorkommen und es könnten Beleidigungen fallen, um zu verdeutlichen, was gemeint ist.

Anfangen möchte ich mit einer gesonderten Information. Für diesen Beitrag bin ich nicht alleine verantwortlich. Mir wurde von einer guten Freundin geholfen, die selber mit Suizid zu kämpfen hatte (Alles persönliche Erfahrungen!). Wenn etwas kursiv geschrieben wurde, heißt dies, sie hat es mir gesagt oder sogar selbst geschrieben. Sie möchte nicht erwähnt werden und bittet um Verständnis. Der Beitrag könnte etwas länger werden, einfach weil es so unendlich viele Dinge zu sagen gibt! Er ist aber nur einer von vielen, die sich mit diesem Thema beschäftigt haben; dazu später mehr, nun zum Beitrag.

„Not Alone“, Warum Suizid

„Ein Gefühl zu fallen. Endlos. In die Tiefe. Du kannst nichts dagegen tun oder willst es nicht. Umschlossen von etwas, was dich runter drückt, immer tiefer hinein in den Abgrund. Wellen die auf dich einprasseln – kontinuierlich. Du kriegst keine „Luft“ mehr. Du handelst nicht. Keiner versteht dich oder du denkst nur das es keiner tut.“

So beschrieb meine Freundin es. Das war ihr Gefühl und das jeden Tag. Nicht Betroffene können sich nicht vorstellen, wie so etwas ist. Aber wir können uns informieren, versuchen zu verstehen und im besten Fall ein Leben retten! Und genau darum geht es auch in der Netflix Doku „Not Alone“. Ich habe mir diese 50 Minuten mit besagter Freundin angeguckt – 50 Minuten, die sich jeder nehmen sollte, um zu verstehen und zu helfen. Sie hat mir ihre Erfahrungen mitgeteilt und wir haben beide versucht diese auf die Doku zu beziehen, um sie euch näher zu bringen. Ich habe so viel gelernt. Ihr glaubt gar nicht wie komplex dieses Thema ist und wie wichtig es ist, darüber zu reden.

In der Doku geht es um Suizid, hauptsächlich darum, zu verstehen wie suizidale Menschen fühlen und was sie durchmachen. Die Doku soll uns verstehen lassen, uns erkennen lassen und zum Nachdenken anregen. Sie beginnt mit der Freundin des Opfers, die größtenteils für diese Doku verantwortlich ist. Sie gibt wieder wie sie sich gefühlt hat als ihre Freundin plötzlich nicht mehr da war. Verstehen konnte sie es nicht, sie fühlte Trauer, dann Hass (Warum hast du mich verlassen?) und schlussendlich ihre eigene Schuld (Was hätte ich anders machen können? Habe ich nicht zugehört?). Sie erzählt davon, wie sie versuchte es zu verdrängen, es aber immer wieder zur Konfrontation mit diesem Thema kam (Medien/ weitere Opfer). Sie merkte nicht, dass ihre Freundin gefährdet war, hatte sich nie informiert. In der Schule hatte man das Thema nicht ernst genommen oder es wurde nie darüber geredet, aber warum nicht? Schließlich war sie an einem Punkt, an dem sie nicht mehr zurück konnte – Sie musste wissen, warum.

„Bis jetzt habe ich immer nur Filme, Serien und Dokus gesehen, die nie die Sichtweise der Freunde oder Familie darstellten und wenn, sehr dürftig oder ungenau. Auch wenn es bei dieser Doku nur eine kurze Passage ist, erfährt man mehr über die Beweggründe, warum sie sich informiert hat (was jeder tun sollte) und warum diese Doku entstand. Und, was auch wichtig ist, wie man sich als Außenstehender fühlt. Ich habe immer nur das schlechte gesehen. „Sie interessieren sich nicht für mich“, „Mein Tod ist den anderen egal“ und solche Dinge. Aber wenn ich gewusst hätte das es nicht stimmt, wäre ich vielleicht früher auf Hilfe gestoßen.“

Nachdem dies erklärt war, begannen die Interviews, mit Menschen die selbst Suizid begehen wollten. Einige ihrer Gesprächspartner/innen waren ihr sogar bekannt (Um die ein oder andere Träne kamen wir nicht herum). Zuerst wollte sie klarstellen warum diese Menschen so dachten. Und, wie der Mensch so ist, gab es dort die Unter-schiedlichsten Antworten. Die einen hatten mit Identifikation zu kämpfen. Wo befinden sie sich in der Gesellschaft. Waren sie „cool“ genug. Gehörten sie dazu, wenn nicht, warum nicht? Wer genau ist man eigentlich? Die Gedanken wurden zu Druck, jemand zu sein, der man gar nicht ist. Es wurde nur schlimmer, immer mehr Gedanken, keine Lösungen.

Sexualität war ebenfalls ein Thema, dort fielen die Worte „Schwul“ (Als Schimpfwort) und „Schwuchtel“. Sie haben keinen Respekt erfahren, wurden gemobbt und fertig gemacht, nur weil eine andere sexuelle Orientierung vorlag.

Manche fühlten sich selbst schuldig, für Dinge die schon Jahre zurück lagen. Teilweise hatten sie damit nichts zu tun, waren an nichts Schuld. Manchmal waren es so unbedeutende Dinge, die dann ein so großes Gewicht erhielten, dass es sie erdrückte. Leistungsdruck ist ein Grund, das Verbergen der Persönlichkeit, sexueller Missbrauch, Hautfarbe, Familienumstände und so viel weiteres.

„Es gibt nie nur den einen Grund. Meist sind es tausende, ohne das etwas aus eigener Kraft dagegen getan werden kann. Aber Hilfe suchen? Wenn es keinen interessiert? Die Kunst ist den Mut zu haben und den Willen etwas zu tun.“

Im weiteren Verlauf wurde dargestellt, wie Menschen sich fühlen, die unter SuizidGedanken leiden. Wie es meine Freundin oben schon gemacht hat, haben auch die Menschen in der Doku ihre Gefühle wiedergegeben. Mir ist aufgefallen, dass oft Wasser dargestellt wird, vor allem wenn es um das erdrückende Gefühl geht. Ein jeder hat beschrieben, dass es eine fast unlösbare Aufgabe ist, sich aufzuraffen etwas zu tun. Egal ob es „nur“ das aufstehen ist, für sie wäre das an manchen Tagen ein riesiger Schritt. Aber immer daran denken, dass es bei jedem anders ist! Auch das wird vermittelt.

„Es beginnt nie direkt. Am Anfang fühlt es sich vielleicht nur so an, als hätte man „einen schlechten Tag“. Es wird schlimmer und schlimmer und immer schlimmer. Ich dachte ich wäre nicht ausgeschlafen. Ich ging weniger zur Schule, war öfter krank. All das kam aber nicht durch eine „schlechte Phase“. Ich habe es erst später bemerkt, aber zum Glück rechtzeitig um noch Hilfe holen zu können. Und ja, es ist schwierig aus diesem Loch heraus Hilfe „zu rufen“. Wenn man einmal drinnen ist, wird auch der beste Freund nicht als Hilfe wahrgenommen. Dann den Mut zu haben und sich zu sagen „ich brauche Hilfe“, „ich muss etwas tun“, ist unglaublich schwierig und erfordert Unterstützung und Mut! Jeder könnte, doch die wenigsten können, sage ich immer wieder, wenn mich jemand darauf anspricht. Deswegen ist es so wichtig auf Signale zu achten und uns anzusprechen. In den seltensten Fällen, werden wir euch ansprechen.“

Jetzt reden sie über Schmerzen. Sich selber Schaden zufügen. Sich ritzen, verbrennen und schlagen. Ein Besserungsgefühl schleicht sich ein. Eines, welches in den meisten Fällen keins ist. Es geht solange gut, bis sich der Kopf daran gewöhnt und das eine mit dem anderen verbindet. Und dann geht es ums erkennen. Den Hilferuf wahrnehmen. Physische Schmerzen kann einer sein. Man sollte auf Signale achten und es ansprechen, wenn es geht.

„Auch ich habe Narben und weiß, was das mit einem machen kann. Im positiven, wie im negativen Sinne. Ja, es gibt durchaus einen positiven Aspekt. Aufmerksamkeit. Ist es an einer Stelle zu sehen, könnten es viel mehr Leute bemerken. Könnten einen darauf ansprechen und helfen. Doch achten Leute darauf? Hier hätte ich mir von der Doku etwas mehr gewünscht. Was stellt es an? Was geht in den Leuten vor? Warum? Um ein Beispiel zu geben – Was ging in mir vor? Ritzen war für mich wie eine Ablenkung, bei der ich alles vergaß. Die Sorgen, die Gefühle, meine Gedanken waren für den Moment, in dem ich Schmerzen erlitt, manchmal ziemlich große Schmerzen, einfach weg. Ich hatte freien Kopf. In dem Moment ging es mir trotz Schmerzen gut. Bis ich wusste, dass ich es deswegen tat. Dann wurde es nur zu mehr Schuld und mehr Vorwürfe schlichen sich ein.“

Nun werden soziale Netzwerke beleuchtet. Die Fassade die dahinter steckt. Das glückliche Leben im Internet, gegen die Realität, die oft nicht so blumig aussieht, wie das, was man auf den Netzwerken zu sehen bekommt. Ein Leben voller Glück gegen das andere, ein Leben ohne Glück. Und oft ist dieses Glück gar nicht echt.

„Das ist ein Problem, weil sich viele darauf verlassen: „Wie glücklich sie auf dem Bild aussieht“. Und dann denken sie, dass es auch im echten Leben so ist. Ich würde dafür aber niemandem einen Vorwurf machen. Müssen wir denn immer glückliche Bilder posten? Ja, denn wenn wir es nicht tun, wird die Wahrheit nicht ertragen. Dann wollen wir „Aufmerksamkeit“ und sind „auf Likes aus“, um auf die Medien zurück zu kommen. Übrigens ein weiterer Grund. Der Stress jedes mal auf das Handy gucken zu müssen. Auch das kann einen fertig machen.“

Einige werden auf Netzwerken gemobbt. Kriegen Hass an den Kopf geworfen und werden auf das schlimmste beleidigt. Sie werden als „Fett“ und „Hässlich“ bezeichnet und manchmal weißt du nicht einmal – Wer hat das geschrieben? Ein Beispiel war dieses: Drei Frauen und ein Mann, der gerade noch grinsend ins Bild schielt. Die Überschrift „My Love. And Jared.“. Die unterschwellige Botschaft kommt sofort an – Du bist nicht erwünscht. So klein und doch so gemein. Die Person weiß wie es gemeint ist und die Täter meistens auch. Opfer kriegen keine Ruhe. Denken immer daran, auch wenn es nur im Hinterkopf steckt. Es wird eine Situation geben, da erinnern sie sich und alles kommt hoch. So wird auch gezeigt, dass verdrängen den wenigsten hilft.

„Hierzu habe ich nur eines zu sagen: Denkt nach was ihr tut. Egal wie klein, für andere Menschen kann das der Ausschlaggebende Punkt sein.“

Zum Schluss geht es um Hilfe an sich. Wie haben die Leute es geschafft dort heraus zu kommen? Und was können wir tun, um anderen zu helfen und es zu erkennen? Sie haben von Techniken gesprochen, dass sie wieder einen Sinn in ihrem Leben sehen, sei es nur durch eine Sache: In der Natur klettern, Schreiben, in einer Band sein. Egal was, es gibt Hilfe. Es wird gezeigt, dass jeder seinen Antrieb finden kann, sei er noch so banal. Für Außenstehende haben sie Tipps: Worauf muss man achten? Was sind Signale? Hier ein paar der genannten:

  • Waghalsiges Verhalten
  • Persönlichkeitsveränderungen
  • Schlafgewohnheiten anders
  • Körperliche Schmerzen
  • Drogenmissbrauch
  • Über den Tod reden/ Todeswunsch äußern („Ich wäre besser nie geboren“)
  • Hoffnungslosigkeit (So etwas wie „Ich lerne das nie“ kann schon ein Anzeichen sein)

„Es ist nicht leicht die Zeichen richtig zu deuten, vor allem wenn es heruntergespielt wird. Es kann als Spaß aufgefasst werden, aber dennoch ernst gemeint sein. Besonders bei Sätzen ist genaueres hin hören und Aufmerksamkeit gefragt.“

Und genau das sagen sie in der Doku. Man soll zuhören, Aufmerksam sein und nicht weg sehen! Also achtet darauf. Versucht zu helfen wo ihr könnt.

Hier sind einige der Botschaften, die die Betroffenen am Ende des Videos verkünden:

Es lässt sich behandeln, man kann es heilen. Du kannst ein glückliches Leben leben. Du musst mit einer echten Krankheit kämpfen, an der du leidest.

Es ist wirklich wichtig, zu verstehen, dass du nicht alleine bist und zu sehen, dass es so viele Menschen gibt, die diese Gefühle bewältigt haben.

Weil wir so jung sind, sind wir so anfällig für diese Gedanken, wir haben nicht die Lebenserfahrung zu wissen, dass es mehr gibt. Und wir müssen daran glauben, dass es mehr gibt.

Lass jemanden rein.

Kurzes Fazit: Die Doku ist sehr gut, wenn man sich noch nie mit diesem Thema beschäftigt hat, aber auch Leute die sich schon „auskennen“ sollten einen Blick darauf werfen (Ich finde man kann nie genug darüber erfahren). Es sind alles echte Erfahrungsberichte, was ich als Bereicherung sehe und ich staune über den Mut derer, die in dieser Doku so offen darüber reden. Es ist zwar nicht ausführlich, aber emotional und es werden viele Punkte verschiedener Menschen beleuchtet. Ob man sich über manche Stellen streiten kann, solltet ihr selber entscheiden. Und ich glaube sogar, dass, vor allem das Ende der Doku, suizidalen Menschen Hoffnung geben kann.

Gibt es hier Personen, die unter solchen Gedanken leiden, bitte, holt euch Hilfe. Ja es ist schwer, aber bringt den Mut auf! Ich weiß, dass ihr es schaffen könnt! Redet mit jemandem, sei es ein Freund, die Eltern oder ein Lehrer dem ihr vertraut. Oder ruft bei einer Seelsorge an:

  • Telefonseelsorge 116123
  • Kinder- und Jugendtelefon 116111

Und seid nicht verunsichert, es ist okay Hilfe zu holen!

Stay Strong!

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Die Beiträge der anderen (wird im Laufe der Woche noch aktualisiert):

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2 Gedanken zu “„Not Alone“, eine Doku über Suizid

  1. Hallo und vielen Dank für diesen ausführlichen und tollen beitrag!
    Die Doku werde ich mir auf jeden Fall noch anschauen.
    Ich finde es klasse, wie viel Mühe ihr euch gemacht habt. Danke auch an die Freundin, die offen von ihren persönlichen Erfahrungen berichtet. <3
    Ein dickes Dankeschön, dass du bei dieser Aktion mitgemacht hast!

    Viel Liebe,
    Babsi

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